Endlich wieder: Frankreichaustausch an der GMS Neubulach
oder: Von Strand, Völkerverständigung und rationiertem Toilettenpapier...
„Wissen Sie 'was? Das ist schon krass, wie viele Freiheiten wir hier an unserer Schule haben.“, antwortet lautstark ein gerade vom Frankreich-Austausch zurückgekehrter Neuntklässler auf die Frage seine Lehrers, wie das Schulleben in Frankreich so ablief. „Dort ist die ganze Schule eingezäunt und wenn man auf's Gelände will, muss man immer seinen Ausweis vorzeigen. Das ist schon hart!“ „Und dann war man noch nicht auf dem Klo...“, ruft ein Mitschüler vollkommen entgeistert ein und löst damit einen großen Tumult aus, in dem sich die Wortmeldungen überschlagen. „Wenn man auf's Klo möchte, muss man sich das Klopapier im Sekretariat abholen und kriegt dann ganze fünf Blätter.“, schallt es aus einer Ecke. „Und das ist auch noch einlagig!“, ertönt es aus einer weiteren. Großes Gelächter füllt das Klassenzimmer, in dem noch aufgrund der Freude über die positiven Erfahrungen beim Austausch eine ausgelassene Stimmung herrscht.
„Manchmal sind es Kleinigkeiten, die uns am meisten prägen.“, antwortet Herr Pflugmacher seinen Schülern lachend. „Aber bis auf die Toilettenproblematik war es gut?“, fragt er gespannt in die Klasse. Erneut überschlagen sich die Wortmeldungen, die nur vor Superlativen strotzen. Im allgemeinen Chaos lassen Ausrufe, wie „Die Ausflüge waren voll geil!“, „Das Essen war überragend!“, „Meine Gastfamilie hatte 'nen Whirlpool!“ und „Man ist da direkt am Strand!“, vermuten, dass der Austausch die Schüler begeisterte.
Dazu gab es auch jeden Grund. Nachdem man sich am Mittwoch, den 08.02. um 6h00, auf den Weg nach Castries gemacht und noch ein paar Nachzügler, die mit der frühen Uhrzeit zu kämpfen hatten, eingesammelt hatte, standen den beteiligten Schülern und Schülerinnen der achten und neunten Klassen sieben sonnige und ereignisreiche Tage in Südfrankreich bevor.
Dabei wurde nicht nur am französischen Schulunterricht teilgenommen, sondern auch das Land erkundet: Neben Besuchen des Pont du Gard, der Städte Montpellier, Uzès und Aigues-Mortes wurde so auch eine Manarde, eine Rinderzucht in der Camargue besichtigt. Neben der freien Zeit in den Städten war dies der Höhepunkt des Austauschs. „Wie Cowboys sind die Züchter da rumgeritten... und die Stiere erst. Die Viecher waren reine Muskelberge!“, erläutert einer der Neuntklässler die Faszination.
Neben dem geplanten Programm verbrachten die Schüler viel freie Zeit mit ihren Austauschpartnern und Gastfamilien. Am Wochenende besuchte man so gemeinsam das Aquarium in Montpellier, verbrachte den Tag am Strand oder lieferte sich Basketball- und Fußballmatches, aus denen die „Deutschen“ zur großen Freude der Schüler siegreich hervorgingen. Auch eine Krankheitswelle konnte die Begeisterung nicht hemmen.
Der Unterricht endet mit Herr Pflugmachers Frage, ob man den Austausch also so beibehalten solle: „Auf jeden!“, brüllt es ihm entgegen.
Während die Schüler in die Pause eilen, bleibt der Französischlehrer mit einem Lächeln zurück. „Es ist für mich eine große Erleichterung, dass der Austausch so positiv eingeschlagen hat. Im Vorfeld waren sich viele sehr unsicher, ob sie in Frankreich Spaß haben, und meine Kollegin, Pauline Sauzay, die die Schüler nach Frankreich begleitete, hat unfassbar viel Herzblut, Energie und Überzeugungsarbeit in die Sache gesteckt!“, äußert Herr Pflugmacher. Da man jedem interessierten Franzosen auch einen deutschen Austauschpartner ermöglichen wollte, hatte man die Ränge sogar mit nichtfranzösisch-sprechenden Schülern aufgefüllt. „Obwohl wir den Austausch in Zusammenarbeit mit den Kolleginnen der GMS Althengstett auf die Beine gestellt haben und wir somit schon über zwei Schulen verfügten, hatten wir kurz vor knapp immer noch ein Platz frei. Da ist dann sehr kurzfristig noch einer unserer Siebtklässler eingesprungen. Mit elf Jahren diesen Mut aufzubringen, hat ihm wahrlich den Respekt der Großen eingebracht, die ihn aber auch sofort in ihre Gruppe aufgenommen haben.“, nickt Pflugmacher anerkennend. Er freut sich, dass diese kleine Anekdote auch zeige, dass der Zusammenhalt innerhalb der Schulgemeinschaft sehr groß sei.
Gesamt betrachtet sei der Austausch ein großer Erfolg gewesen. „Sprechen Sie gerade über den Austausch?“, schaltet sich im Erdgeschoss eine Besucherin ein. „Mein Sohn hat daran teilgenommen und er war hin und weg. Er wollte sogar noch für drei weitere Monate bis zum Gegenbesuch der Franzosen bei seiner Gastfamilie bleiben. Jedoch war seine Matratze hier in Deutschland einfach bequemer.“ Nach dem gemeinsamen Lachen entsteht postwendend ein Gespräch über mögliche Austauschprogramme und über die große Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft.
Mit strahlenden Augen kehrt der Französischlehrer Pflugmacher ins Lehrerzimmer zurück. „Sehen Sie! Besser hätte es gar nicht laufen können und nun geht es daran, den Franzosen bei uns einen ebenso gelungenen Empfang zu bieten!“

Der große Dank der Schulleitung gehe daher nicht nur an die Partnerschule Collège Les Pins in Castries, sondern auch an die sehr engagierten und begleitenden Lehrkräfte, Pauline Sauzay (GMS Neubulach) und Lisa Nottenkemper (GMS Althengstett), sowie an die aufnahmebereiten Eltern, betont Schulleiter Dominik Bernhart. „Wir versuchen stets unseren Schülern unvergessliche Erfahrungen zu ermöglichen. Jedoch ist solch ein gemeinschaftsstiftendes Erlebnis nur möglich, wenn alle an einem Strick ziehen und bereit sind viel Arbeit in den Erfolg der Sache zu investieren. Für diesen Einsatz bin ich allen Beteiligten, vom Kollegium bis zum finanziell unterstützenden Förderverein der GMS, äußerst dankbar.“
Und sein Fazit zum Austausch: „Eine sehr gelungene Sache. Jedoch hätte ich mich schon gefreut, noch etwas von den Croissants abzukriegen, die uns die französischen Kollegen als Geschenk mitgegeben haben. Diese haben die Busfahrt aber nicht überlebt.“, schiebt er augenzwinkernd nach.
Wir danken dem Collège Les Pins für den fantastischen Aufenthalt, den beteiligten Schülern und Schülerinnen für ihren großen Mut und ihren Eltern für ihre Aufnahmebereitschaft, der GMS Althengstett für die gelungene Kooperation sowie dem deutsch-französischen Jugendwerk und dem Förderverein der GMS Neubulach für die finanzielle Unterstützung.
Von Jan Pflugmacher.